"Der Kuss", 80 x 120 cm, 06/2017
"Der Kuss", 80 x 120 cm, 06/2017

Wie eine schroffe, beinahe felsartige Statuette zeichnet sich ein Liebespaar im blauen Gegenlicht ab. Seine Dame liebevoll in den Armen haltend, blickt er in ihr Gesicht hinab, hält inne, um sie zu küssen.

Legte Gustav Klimts Gemälde "Der Kuss" in einer ähnlichen Komposition den Fokus auf die innige Zweiheit des Paares, so taucht hier eine dritte Person auf, verhüllt, den Liebenden mit dem Rücken zugekehrt und doch ihren Kopf zu ihnen neigend.

Für die Gesamtkomposition des Bildes hat diese fremde "Dritte" eine stützende Funktion. Sie vervollständigt die Figurenaufstellung. Inhaltlich steht sie für die latente Bedrohung des reinen Liebesglücks, vielleicht als die verlassene frühere Geliebte, für die dieses neue Glück tiefen Schmerz bedeutet, oder als eine mögliche Zukünftige, deren Gesicht sich noch im Schleier verbirgt. In jedem Fall denkt das Bild Liebe als etwas, das keine rein zweipolige Angelegenheit ist. Immer ist sie mehr.