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Autorin, Bloggerin und Kuratorin Silke Tobeler zu Besuch bei der Ausstellung "Wunschmaschinen"

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08.11. - 16.12.2021 | verlängert bis 29.01.2022

Wunschmaschinen - Maria Wirth

Galerie feinart berlin

Niebuhrstraße 71, 10629 Berlin

www.feinart-berlin.de

 

„Es atmet, wärmt, ißt. Es scheißt, es fickt. Das Es … Überall sind es Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes: Maschinen von Maschinen, mit ihren Kupplungen und Schaltungen. Angeschlossen eine Organmaschine an eine Quellmaschine: Der Strom, von dieser hervorgebracht, wird von jener unterbrochen. Die Brust ist eine Maschine zur Herstellung von Milch, und mit ihr verkoppelt die Mundmaschine. Der Mund des Appetitlosen hält die Schwebe zwischen einer Eßmaschine, einer Analmaschine, einer Sprechmaschine, einer Atmungsmaschine (Asthma-Anfall). In diesem Sinne ist jeder Bastler; einem jeden seine kleinen Maschinen.“ (Deleuze/ Guattari, Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie I)

 

In der Malerei von Maria Wirth (*1987) geht es um Körperlichkeit, Identität und zwischenmenschliche Wirklichkeiten. Ihre farbintensiven abstrakten Bildräume behausen menschliche und tierische Körper, die sich, so prägnant sie auf den ersten Blick wirken mögen, gleichzeitig verschließen und tiefe Widersprüchlichkeiten in sich bergen. Die Künstlerin, die 2015 ihren M.A. Philosophie an der Freien Universität Berlin absolvierte, setzt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit Weiblichkeit und Erotik auseinander — einer hintergründigen Erotik, die mehr an Existenziellem als an Lust und Leidenschaft rührt. In ihrer unabhängigen Bildsprache erforscht sie ambivalente Gefühle und Werte, die konträr zu einfachen Gegensatzlogiken wie Mann-Frau, Macht-Ohnmacht, Täterin-Opfer, Hass-Liebe, Jung-Alt stehen. 

Mit dem Titel „Wunschmaschinen“ rückt Maria Wirth ihre Arbeiten aus 2021 in das Licht einer psychologisch-strukturalistischen Kapitalismus- und Konsumkritik im Gedanken an die französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari: ist etwa unser begehrendes, zu Selbstbefriedigung, zu Produktion und Konsum neigendes Unbewusstes der eigentliche Demiurg, der eigentliche Kapitalist dieser Welt? Nicht zufällig tauchen in den Bildern der Künstlerin immer wieder Tiere und Chimären auf, die sie als Alter-ego der sinnlichen wie auch der unbewussten Ebenen des Menschen kreiert, in denen Animalisches und Menschliches, Instinkt und Ratio verschmelzen.